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Selbstbewusst in die Berufsausbildung

Teilnehmende der Berufsvorbereitung im SRH Berufsbildungswerk Dresden setzen sich in einem Seminar mit den Themen Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinander. Das Institut für Gesundheit und Management hat dafür das Präventionsprojekt You!Mynd entwickelt, mit dem junge Erwachsene ihr Selbstbewusstsein stärken.

Kalendereintrag

Im Jugendclub des Wohnheims des SRH Berufsbildungswerkes Dresden herrscht aufgeregtes Geschnatter. Hier unterhalten sich gerade zwölf junge Menschen mit Hannes Sack, dem Leiter des Projektes You!Mynd über Stereotypen von Menschen. Sie diskutieren darüber, warum manche Menschen sehr selbstbewusst sind und andere nicht, wie ein Selbstbild entsteht und wie andere Menschen einen selbst sehen.

You!Mynd ist ein Präventionsprojekt zur Sicherung der psychischen Gesundheit von Berufsschülerinnen und Berufsschülern. "Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt im Leben von jungen Menschen, um ein solches Projekt durchzuführen. Gerade jetzt suchen sie nach Orientierung, versuchen herauszufinden, wer sie selbst sind", sagt Hannes Sack. Er arbeitet im Institut für Gesundheit und Management und hat das Projekt You!Mynd mit konzipiert. Es basiert auf dem Präventionsauftrag der gesetzlichen Krankenkassen und wurde speziell für die nicht-betriebliche Lebenswelt Berufsschule konzipiert.

Selbst- und Fremdbild: Wie wirke ich auf mich und andere?

Ottilie Stief, Sozialpädagogin in der Berufsvorbereitung hat das Projekt an das Berufsbildungswerk Dresden geholt. "Für unsere Jugendlichen ist es wichtig, auch von außen Impulse zu bekommen. Wir als Begleiter geben den Jugendlichen auch Feedback, aber es hat für sie einen höheren Stellenwert, das auch von außen zu hören." Das Projekt läuft im Berufsbildungswerk über zwei Wochen, alle Teilnehmenden der Berufsvorbereitung arbeiten jeweils zwei Tage mit.  „Ich nehme mir vor allem Tipps zur Steigerung meines Selbstbewusstseins mit, denn genau damit habe ich Probleme. Wir haben heute sehr viele Informationen erhalten und ich habe mehr über das Leben gelernt, auch dank des netten Seminarleiters", sagt der Teilnehmende Franz Herkner.

Im Seminar wird es auch emotional. Die Teilnehmenden sollen ein Buch über sich schreiben. Es hat nur eine Seite und folgt einen Leitfaden, doch bringt die Jugendlichen dazu, sich Gedanken über sich zu machen. Es ist eine Selbstreflexion. „Die Aufgabe war für mich sehr hilfreich. Ich habe ein Problem mit dem Selbstbewusstsein und nehme mir aus dem Seminar viele Tipps mit, was ich in Zukunft anders machen kann, um selbstbewusster aufzutreten“, sagt BvB-Teilnehmerin Antonia. Nach dem Selbstbild beschäftigen sich die Jugendlichen mit dem Fremdbild und gehen der Frage nach: Wie sehen mich andere Menschen? Dafür werden Zettel auf den Rücken eines jeden geklebt, auf dem am Ende der Aufgabe sehr viele schöne, positive Dinge stehen werden.

Die Jugendlichen gehen sehr wertschätzend an diese Aufgabe heran. "Die Atmosphäre ist sehr offen. Es fällt mir leicht, in diesem Kontext über mich selbst nachzudenken, zu reflektieren und mit den anderen das zu teilen, was ich teilen möchte. Besonders gut gefällt mir, dass ich hier die Sichtweise von anderen kennenlerne“, sagt eine Projekt-Teilnehmerin, die anonym bleiben möchte.

Teilnehmerin Emma Luise Tampe schätzt ebenfalls die offene und zwanglose Atmosphäre des Seminars. „Es geht entspannt zu, aber dennoch geplant. Mir ist klar geworden, dass ich mein Leben selbst gestalte und dieses Gestalten ein Leben lang geht.“  

Lernen, mit den eigenen Ressourcen umzugehen

Vor zwei Jahren ist das Projekt gestartet, die Nachfrage ist groß. „Die psychosozialen Belastungen und psychische Erkrankungen bei jungen Menschen nehmen zu. Wir merken, dass sich die Ängste in diesen von Krisen bestimmten Zeit vergrößert haben. Auch das überschwellende Angebot im Internet überfordert viele junge Menschen“, so Hannes Sack. Deshalb setzt das Seminar am zweiten Workshoptag auch einen Schwerpunkt auf das Thema Ressourcen und Kompetenzen. Wie gehe ich mit meinen eigenen Ressourcen um? Wie stärke ich meine psychischen und körperlichen Ressourcen? Um das noch deutlicher zu machen, begeben sich die Teilnehmenden auf die Suche nach der ultimativen Stärkeformel. Dafür wurde, speziell für dieses Projekt, das Spiel Mynd!Game entwickelt.

Beatrice Förster, Gesundheitsmanagerin am Institut für Gesundheit und Management leitet den zweiten Projekttag. „Mit dem Spiel vermitteln wir Wissen zu den Kompetenzbereichen Selbstbewusstsein, Selbstorganisation, Sozialkompetenz, Stressregulation und Suchtkompetenz. Für jeden Bereich muss eine Gruppenaufgabe gelöst werden, zusätzlich kann die Aufgabe auch noch individuell am Smartphone gelöst werden.“

Dass das Spiel analog und digital gespielt werden kann, gefällt auch Ottilie Stief. "Mich hat vor allem die Verbindung zwischen der realen und der digitalen Welt interessiert. Mit dem Spiel können unsere Jugendlichen ihre Online-Zeit wirklich sinnvoll nutzen."